Was ist Viet Vo Dao

Der Begriff "Viet Vo Dao" enthält drei Elemente: "Viet" steht für das Land Vietnam, "Vo" für die Kampfkunst, die Faust und "Dao" für den Weg. Viet Vo Dao ist vor allem gekennzeichnet durch seine tiefen Stellungen. Es enthält Hand- und Ellenbogentechniken, Fußkicks, Fußfeger, Würfe und Hebeltechniken. Trainiert werden Angriffs- und Abwehrtechniken, Befreiungstechniken, Fusstechniken, festgelegte Formen (Quyen, Song luyen), Freikampf mit Leichtkontakt und der traditionelle Ringkampf.

Vietnam mit Bambus im Hintergrund

Der Viet Vo Dao-Kämpfer setzt selten Kraft gegen Kraft ein, sondern nimmt die Kraft des Gegners auf und leitet sie um. Er weicht aus, um den Gegner herum oder zur Seite, um dann schnell zu kontern. Dazu gehört auch, den Gegner zu täuschen bzw. ihn ins Leere laufen zu lassen.

Abwehr und Gegenangriff erfolgen gleichzeitig. Die Techniken sind effektiv, eignen sich gut für kleiner gewachsene Menschen, müssen aber im Training mit Vorsicht geübt werden, um den Partner nicht zu verletzen. Es gibt weiche, fließende Bewegungen im Wechsel mit Härte, das Ausweichen ebenso wie das harte Hineingehen in den Gegner. Vorbild ist der Bambus: Er ist biegsam und hart zugleich.

Eine Besonderheit des Viet Vo Dao sind die angesprungenen Beintechniken. Diese richten sich in der einfachsten Variante gegen Bein und Knie des Gegners, andere werden in Hüfthöhe, in Höhe des Oberkörpers oder gegen Kopf bzw. Hals des Gegners eingesetzt.

Fortgeschrittene lernen im Viet Vo Dao den Umgang mit Waffen. Hier verwendet man die traditionellen Waffen der asiatischen Kampfkünste, u. a. Langstock, Kurzstock, Schwert, Säbel, Hellebarde, zwei Messer oder ein Fächer. Außerdem kann jeder beliebige Gegenstand zur Waffe werden - ein Lineal, ein Regenschirm oder für Frauen die Handtasche.

Die Ausbildung basiert auf dem System der drei Schritte, d. h. jede Angriffs- bzw. Abwehrtechnik wird in drei Formen geübt: einmal als Übung mit dem Trainingspartner, zum zweiten eingebaut in eine Quyen (Form / Kata) und als drittes als Bestandteil einer langen Partnerübung (Song luyen). Auf diese Art wird jede Bewegung möglichst oft wiederholt.

Zugleich enthält die Ausbildung des Vovinam Viet Vo Dao auch einen sozialen und philosophischen Hintergrund, so wie es in dem Wort "Dao" bereits enthalten ist. Dazu gehören die zehn Prinzipien des Viet Vo Dao, d. h. bestimmte für das Leben in der Gemeinschaft nützliche Verhaltensweisen, die ein Viet Vo Dao-Schüler verinnerlichen soll: Mut, Energie und Selbstbeherrschung, Disziplin und Selbstdisziplin, der Willen zum Sieg und damit auch Selbstüberwindung, Fairness und Toleranz, sich in die Gemeinschaft einfügen, aber ebenso Verantwortung übernehmen.

Gemäß dem Motto "Eine harte Hand, ein gütiges Herz" dient Viet Vo Dao nur der Selbstverteidigung, aggressive Schläger werden im Training nicht geduldet. So hilft das Training, ein sinnvolles Leben zu führen.

Viet Vo Dao ist nicht nur für Männer, sondern ebenso für Frauen und Kinder geeignet. Es ist eine wirksame und praxisnahe Selbstverteidigungstechnik für den Notfall.

Meister Sen mit Fächer

 
Zur Geschichte des Vovinam-Vietvodao

Gründermeister Nguyen Loc

In den 30er Jahren unseres Jahrhunderts bereiste der Gründer des Vovinam Viet Vo Dao, Meister Nguyen Loc (1912-1960), das Land, lernte von vielen Kampfkunstmeistern und entwickelte aus Elementen vieler Schulen seinen eigenen Stil, ein genau durchdachtes und praktisch erprobtes System aus effektiven Selbstverteidigungstechniken, das für die breite Bevölkerung erlernbar ist. Dabei ging es Meister Nguyen Loc auch um einen philosophischen Hintergrund, um soziales Verantwortungsgefühl sowie die Stärkung des vietnamesischen Nationalbewußtseins.

Sein Vovinam-Viet Vo Dao stellte Nguyen Loc 1938 erstmals im Opernhaus von Hanoi öffentlich vor, seit 1940 gab er Kurse in Hanoi.

1954 wurde das Land nach dem Sieg über die Franzosen geteilt. Viele der Schüler von Nguyen Loc gingen in den Süden, nach Saigon. Dort mußten sie unter schwierigen Bedingungen praktisch neu anfangen. Als der Gründer des Vovinam Viet Vo Dao 1960 starb, hatte sich Vovinam Viet Vo Dao bereits zu einer breiten Bewegung entwickelt.

 

Nach der Übernahme des Süden Vietnams durch Nordvietnam 1975 wurde Vovinam Viet Vo Dao vorübergehend verboten. Viele Vietnamesen verließen das Land. Unter ihnen waren Vovinam-Meister, die später im Ausland ihre Kampfkunst unterrichteten. So existieren heute Viet Vo Dao-Schulen und -Vereine in der ganzen Welt - in den USA, in Australien, in Europa, sogar in Nordafrika.

Großmeister Le Sang

In den 80er Jahren wurde das Vovinam VVD wieder zugelassen. Zentrum wurde das To Duong in Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt). Dort lehrte Großmeister Le Sang (1920 - 2010), der Nachfolger des Gründermeisters, unterstützt von seinem Stellvertreter Meister Sen (9. Dan). Großmeister Le Sang hatte großen Anteil an der Weiterentwicklung und Vervollkommnung der heutigen Techniken des Vovinam-Vietvodao. Seit seinem Tod 2010 liegt die Führung des Vovinam VVD in der Hand der World Vovinam Federation (WVVF).

In München wurde 1993 der erste Münchner Vovinam Vietvodao Verein gegründet, der Münchner Vovinam Viet Vo Dao Verein, der aber nicht mehr existiert. Daraus entstanden verschiedene Vovinam-Gruppen in mehreren Vereinen in München, so beim Kodokan München, beim SV Italia, beim SC Armin München und in Ramersdorf.

Zentrale To Duong in Saigon

( © Dietmar Thom )